Ensemble Theater am Markt
Regie: Stefan V. Schmidt
Es spielten:
Eva Kapser, Klaus Schöberl
7 Vorstellungen
Reduktion im äußeren Handlungsablauf ist signifikant für die Bühnenwerke des norwegischen Autors Jon Fosse.
Dessen Zwei-Personen-Stück "Winter" hat sich der Regisseur Stefan Vincent Schmidt für seine neueste Inszenierung im Theater am Markt-Ost ausgewählt. Er stellte sich und den Schauspielern damit sicher keine leichte Aufgabe, da sich das Geschehen in den Befindlichkeiten seiner Darsteller abspielt, was natürlich nach außen sichtbar, fühlbar werden muss.
Stefan Vincent Schmidt hielt sich in seiner Inszenierung genau an die Regieanweisungen des Autors. Identisch mit der Zurückgenommenheit des äußeren Geschehens beschränkt sich das Bühnenbild auf eine große Bank, die sich hell von der Schwärze ringsumher abhebt.
Zwei Menschen haben eine Affäre, ein Bürger und ein zweifelhaftes Mädchen. Was für den Mann als flüchtiges sexuelles Abenteuer gedacht war, bedeutet für die junge Frau am Anfang viel mehr. Sie möchte mit ihm reden, will, dass er ihr zuhört, während der Mann weg will von ihr, um einen Geschäftstermin wahrzunehmen.
Eva Kapser als fragile Kindfrau spricht anfangs atemlos, stößt die Worte aus wie Klagelaute, gibt ihrer Sehnsucht nach Nähe Ausdruck und auch ihrem Zorn, als er hilflos und unberührt reagiert. Ganz in sich verschlossen bleibt Klaus Schöberl anfangs und zeigt dann berührend im Laufe seines Spiels das langsame Aufbrechen der Gefühle für dieses Wesen, das seine Frau sein will.
Die Bank wird zum Bett, wenn der Mann schließlich die Frau ins Hotel mitnimmt. Eva Kapser zeigt die Verletzbarkeit, Einsamkeit, Unsicherheit, die Sehnsüchte dieses "leichten" Mädchens sehr gut auf in der Gestaltung ihrer Rolle.
Innerhalb dieser Beziehung wechseln langsam die Positionen der beiden Menschen. Wohl bewusst ist sich das junge Geschöpf seiner sexuellen Reize, seines hübschen Erscheinungsbildes und setzt sie gekonnt in Szene. Auf knallroten Plateausohlen-Pumps stolziert sie umher, im knappen schwarzen Body, demonstriert ihren Status als Hure, der harte Grenzen setzt zwischen ihr und dem bürgerlichen Leben des Mannes mit Frau und Kindern.
Wunderbar gelingt es Klaus Schöberl mit kleinster Gestik und Mimik, mit seinen Blicken die wachsende Zärtlichkeit, die Liebe für die Frau sichtbar zu machen.
Nun ist sie es, die sich entzieht, die dieser Beziehung keine Chance gibt, die Kälte seiner Wärme entgegensetzt. All das geschieht mit wenig Worten, das Geschehen findet mehr zwischen den Zeilen, in den Pausen zwischen den einzelnen Wörtern statt.
Keine leichte Unterhaltung ist damit dem Publikum geboten, doch gelang dem Regisseur und seinen beiden Darstellern ein eindrucksvoller Theaterabend, der den Zuschauer nicht mit oberflächlichen Aktionen abspeist, ihn selbst fordert, die Tiefen des Stückes aufzuspüren.
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