Regie: Sigrun Hartmann-Thäle
Es spielten:
Karin Hartmann, Kristina Moll, Gaby Schmidt, Barbara Schmitt, Martin Mayr, Hermann Hiemer
7 Vorstellungen
"Gedächtnis des Wassers" ist das erste Bühnenstück der britischen Autorin Shelagh Stephenson. Es wurde im Juli 1996 mit großem Erfolg im Hampstead Theatre uraufgeführt. Nun hat sich Sigi Thäle die Tragikomödie über die Erinnerungen an eine Mutter ausgesucht, um das erste Mal als Regisseurin tätig zu werden und das im Theater am Markt, wo sie schon oftmals als Schauspielerin auf der Bühne zu sehen war. Das Stück ist intelligent geschrieben, hat treffsichere Dialoge, Wortwitz und psychologischen Tiefgang.
Ob sie nun wollen oder nicht, jede der drei Töchter hat von ihrer Mutter Violet ein "Familienerbe" mitbekommen. Es ist wie mit dem Wasser, das die Heilkraft eines Stoffes im Gedächtnis behält, auch wenn es viele Male und immer wieder verdünnt wird. Der Tod der Mutter führt die drei verschiedenen Frauen für kurze Zeit wieder zusammen. Die bevorstehende Beerdigung bietet genug Stoff für Theatralik, Schmerz, Wut, Streit, Erinnerungen und Besinnung.
Sigi Thäle hat sich ihre Protagonisten gut ausgesucht: Teresa, die Mutters Pflichtbewusstsein und Organisationstalent erbte, nicht aber ihre Weiblichkeit und ihren Charme, verkörpert Gabriela Schmidt anfänglich als starre, belehrende Person, die zu delegieren gewohnt ist. Besonders gut gelingt ihr Teresas vom Alkohol forcierte Aufdeckung von Vertuschtem, Beschönigtem in ihrem und der Schwestern Leben.
Mary, die zweite Tochter, spielt Barbara Schmitt. Sie zeigt von Anfang an ihre Verwundbarkeit auf, die sie mit Arroganz zu kaschieren versucht. Als intellektuelle Karrierefrau hat sie zwar äußerlich die Erwartungen der Mutter erfüllt, doch lässt sie die Vergangenheit am wenigsten los. Es sind die besonders packenden Momente der Aufführung, in denen Mary, die einzige, der der Geist der Mutter erscheint, sich mit ihr im Dialog auseinander setzt.
In Karin Hartmann hat sie eine wunderbare Mit-und Gegenspielerin. Souverän und großartig als Violet, findet diese immer den richtigen Ton, die genaue Geste. Sie artikuliert exakt, moduliert sensibel, bewegt sich bühnensicher.
Die Jüngste im Trio der Schwestern ist Catherine, gespielt von Kristina Moll. Ihre Rolle ist hauptsächlich komisch angelegt, vor allem ist sie schrill, chaotisch, ein trotziges Kind. Hilflosigkeit und Suche nach Geborgenheit sind zu wenig spürbar.
Die Männer stehen in diesem Frauenstück in der zweiten Reihe: Hermann Hiemer als Teresas Ehemann Frank, Martin Mayr als Marys Liebhaber Mike. Sehr einfühlsam erfassen sie die Möglichkeiten ihrer Rollen.
Ein großes Bett steht in der Mitte des Bühnenbilds (Entwurf Thomas Fries, Michael Scheuer), das bis zum Ende des Stücks unverändert bleibt. Es ist schwierig, sich aus dieser profanen Umgebung hinwegzudenken, um Erinnerungen Raum zu geben. Am besten gelingt es noch beim blauen Dämmerlicht, welches Violets Erscheinen umgibt. Um dieses Bett im Zimmer der Verstorbenen versammeln sich die Töchter und stellen fest, dass alle Erinnerungen wohl falsch sind. Jede hat eine andere zum selben Ereignis. Als Marys verheirateter Liebhaber Mike auftaucht, spitzt sich die Problematik dieser Beziehung weiter zu. Beim Aussortieren von Violets Kleidern entlädt sich der Stress in einer hysterisch lärmenden Verkleidungsszene. Teresas Ehemann Frank ist einmal mehr sprachlos, eine Eigenschaft, die er mit dem Vater der Schwestern gemeinsam hat. Nur Mary sieht ihre Mutter zu Nat King Coles "Blue Gardenia" tanzen und hört ihre bitteren Vorwürfe. Sie will nicht wahrhaben, dass sie Violets Gesten hat, soviel Geduld und Toleranz von ihr bekam. Erst am Ende des Spiels, als alte Wunden aufbrechen, können die drei die Liebe zu dieser Frau, die ihre Mutter war, zulassen und sich selbst damit Hoffnung für die Zukunft geben.
Sigi Thäle gelang mit ihren Akteuren ein bemerkenswerter Theaterabend, beeindruckend in seinen tragischen Szenen, amüsant in den witzigen Momenten.
Weitere Aufführungen sind am 7., 8., 9., 14., 15., 16., 29. und 30. April.
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