01.03.1995 - The Public Eye (Wiederaufnahme)

'Der stumme Diener' von Harold Pinter

'The Public Eye' von Peter Shaffer

September / Oktober 1994

'Der stumme Diener' von Harold Pinter

Regie: Klaus Schöberl  

Es spielten: Gerd Meiser, Klaus Einsele 

'The Public Eye' von Peter Shaffer  

Regie: Gerti Aicher  

Es spielten: Frank Magener, Kristina Moll, Hans Anker  

7 Vorstellungen 

--> bild Gerd Meiser, Klaus Einsele


Oberbayerisches Volksblatt vom 27.9.1994:

Zwei Killer und ein weiser Narr

Sehenswerte Neuinszenierungen im Rosenheimer Theater am Markt

Gerd Meiser und Klaus EinseleDaß kleines Theater, in kleinem Raum, mit sparsamem Bühnenbild, mit kleiner Besetzung, mit wenig Handlung, von Amateuren gespielt spannend, amüsant, beste Unterhaltung, großes Theater sein kann, zeigt das Ensemble des Theaters am Markt in Rosenheim mit den jüngsten Inszenierungen, die am Wochenende Premiere hatten. Wenn sich doch nur öfter Amateurbühnen so beschränken würden, um unter genauer Regie präzis ausgearbeite schauspielerische Leistungen zu erbringen! Zu sehen waren zwei solchermaßen dargebotene Einakter, "Der stumme Diener" von Harold Pinter und "The Public Eye" von Peter Shaffer.  

Der englische Dramatiker Harold Pinter ist bekannt für seine absurden Stücke, die sich aber durch das realistische Idiom der Dialoge und die naturalistischen Situationen deutlich von Stücken der übrigen Vertreter des absurden Theaters unterscheiden. Unter Regisseur Klaus Schöberl zeigte Gerd Meiser bei seinem ersten Bühnenauftritt eine überzeugende, fast reife Leistung als Auftragskiller Gus, der allmählich von Skrupeln gepackt wird und sein Tun hinterfragt. Ihm gegenüber steht in dieser Komödie der Bedrohung der kaltblütiger wirkende Ben (Klaus Einsele), dessen traurige Augen allerdings etwas zu viel killerfremdes Gefühl zeigten. Beide warten in einem ihnen unbekannten Raum auf ihren nächsten Einsatz, auf die Instruktionen des Bosses. Nur der stumme Diener, ein alter Speiseaufzug, und ein Sprechrohr sind ihr Kontakt zur Außenwelt. Immer wieder entlädt sich ihre Anspannung in verbaler Aggression bis zum Schluß der Einsatzbefehl kommt und... Aber das verblüffende Ende wird nicht verraten. 

Eigentlich hätte das zweite Stück, "The Public Eye", des Liverpoolers Peter Shaffer für einen vollständigen amüsanten Theaterabend genügt. Grandios war die schauspielerische Leistung von Frank Magener als desorganisierter, ständig Süssigkeiten essender Detektiv Julian Cristoforou, mit seinem perfekt durchgehaltenen südländischen Akzent. Hans Anker mußte ihm gegenüber als förmlich-geschäftsmäßiger Steuerberater, der aus Eifersucht den Detektiv auf seine um 20 Jahre jüngere Frau angesetzt hat, blaß bleiben. Erfrischend selbstbewußt und sensibel spielte Kristina Moll die Ehefrau Belinda, die für ihren Mann nur mehr Besitzobjekt zur Selbstbestätigung seines Egos war. Der Detektiv versteht es als weiser Narr, die Beziehung der beiden zu retten. Wie das Stück besticht auch die respektable erste Regiearbeit von Gerti Aicher durch eine genaue Analyse der menschlichen Beziehungen. Die in witzige Dialoge verpackte Menschenkenntnis des närrisch scheinenden Detektivs sorgen für eine bedenkenswerte Komödie und den guten Ausgang in einer aussichtslos wirkenden Beziehungskrise.  

Wer die Handlung genauer wissen will, braucht sich nur das Stück an den nächsten Freitagen und Samstagen jeweils um 20 Uhr (bis 15. Oktober) im Theater am Markt anzuschauen. 

Raimund Feichtner


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